FAQ Cannabis & Cannabinoide – Allgemeine Fragen

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Wie entfalten Cannabinoide ihre Wirkung?

Der menschliche Organismus verfügt über ein ubiquitäres Regulationssystem – dem sog. Endocannabinoid-System. Alle physiologischen Funktionen des Endocannabinoid-Systems sind bis heute noch nicht im Detail geklärt. Bekannt ist allerdings, dass es an physiologischen Prozessen, wie der Schmerzverarbeitung, Motorik/ Bewegungskoordination, Appetitsteigerung/ Nahrungsaufnahme und Emotionalität & Kognition beteiligt ist (daran leiten sich auch einige Anwendungsgebiete von Cannabinoid-haltigen Arzneimitteln ab). Außerdem hat das Endocannabinoid-System direkten Einfluss auf viele Neurotransmitter, sog. Botenstoffen und wirkt modulierend auf das Immunsystems ein.

Die Wirkung des Endocannabinoid-Systems wird über zwei Cannabinoid-Rezeptortypen (CB-Rezeptoren) vermittelt:

  • CB1-Rezeptor: kommt primär im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) vor
  • CB2-Rezeptor: wird hauptsächlich von Immunzellen gebildet

Beide Rezeptortypen sind darüber hinaus in unterschiedlicher Quantität in nahezu jedem Organ und Organsystem vorhanden – das begründet u. a.  die umfänglichen pharmakologischen Wirkungen von Cannabinoiden, die sowohl von körpereigenen Cannabinoiden (Endocannabinoide) als auch von exogenen Phytocannabinoiden aus Cannabis ausgehen! Zu den wichtigsten körpereigenen Cannabinoiden zählen das Arachidonylethanolamid (abgekürzt: AEA oder Anandamid) und das 2-Arachidonylglycerol (abgekürzt: 2-AG). Weitere physiologische Cannabinoide werden diskutiert.

 

Was sind Phytocannabinoide?

Unter Phytocannabinoide versteht man die Cannabinoide, die in Cannabis sativa L vorkommen. Mittlerweile sind über 120 Vertreter dieser Wirkstoffgruppe identifiziert worden – von denen Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) zu den wichtigsten Phytocannabinoiden zählen! Die Wirkstoffe liegen in der Pflanze in ihrer Vorstufe als Säure vor (THCA und CBDA) und müssen durch eine thermische Einwirkung in THC und CBD überführt werden. Dies erreicht man in der Praxis durch Vaporisation mit Hilfe eines Vaporisators. (THCA und CBDA weisen andere pharmakologische Effekte auf als THC und CBD!)

 

Enthält Cannabis noch weitere Inhaltsstoffe?

Cannabis enthält neben Cannabinoiden auch noch weitere wichtige Inhaltsstoffe, darunter zahlreiche Terpenoide und Terpene. Mehr als 200 verschiedene Terpene wurde mittlerweile identifiziert, die zur Gesamtwirkung von medizinischem Cannabis beitragen. Zu den wichtigsten Terpenen gehören: Linalool, Limonen, Pinen, Myrcen, Caryophyllen, Nerolidol und Phytol.

Das Zusammenspiel von Cannabinoiden und Terpenen wird unter dem Begriff “Entourage-Effekt” zusammengefasst.

 

Was sind die Unterschiede zwischen THC und CBD?

Tetrahydrocannabinol (THC) entfaltet seine Wirkung hauptsächlich über die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems. Anders als Cannabidiol (CBD) kann THC auf die Psyche (psychotrop wirksam) einwirken, womit auch der berauschende Effekt zu begründen ist. Dieser wird durch Interaktion mit dem CB1-Rezeptor induziert. CBD ist nicht psychotrop wirksam. Außerdem wird die pharmakologische Wirkung von CBD primär unabhängig vom Endocannabinoid-System über Wechselwirkungen mit einer Vielzahl anderer Rezeptoren, sowie von Neurotransmittern, Transportersystemen und (Ionen)Kanälen vermittelt. Dosisabhängig können auch Nebenwirkungen von THC durch CBD abgeschwächt werden.

 

Welche pharmakologischen Wirkungen gehen von THC und CBD aus?

THC findet hauptsächlich aufgrund der schmerzlindernden (analgetischen), Spastik-lösenden (spasmolytischen), appetitanregenden und Übelkeit-unterdrückenden (antiemetischen) Wirkungen medizinische Anwendung. CBD zeigt sehr gute antiepileptogene, Angst-lösende (anxiolytische) und antidepressive Effekte. Außerdem gibt es einen Wirksamkeitsnachweis zur Behandlung von Psychosen (antipsychotisch wirksam).

 

Welche Nebenwirkungen sind unter einer Therapie mit Cannabinoiden zu erwarten?

Die Nebenwirkungen, die unter einer Therapie mit THC- und/oder CBD-haltigen Arzneimitteln auftreten können, sind dosisabhängig. THC kann in geringen Dosierungen zu Schwindel und Müdigkeit führen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert mit der Therapie abends zu beginnen, um die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten solcher Nebenwirkungen zu minimieren. Bei Überdosierungen können unter THC-Einfluss Aufmerksamkeitsstörungen, Desorientiertheit, Gangunsicherheit oder paranoide Reaktionen auftreten.

CBD ist, anders als THC, auch in hohen Dosen sehr gut verträglich. Sogar Dosierungen bis 50mg pro Kilogramm Körpergewicht werden gut toleriert. Allerdings kann CBD in therapeutischen Dosierungen (10 – 20mg pro Kilogramm Körpergewicht) zu einer Erhöhung der Leberwerte führen. Diese ist in der Regel vorübergehend und normalisiert sich meistens von ganz alleine. Allerdings sollten Patienten mit Vorerkrankungen der Leber nur nach ärztlicher Rücksprache auf CBD eingestellt werden, sofern hohe therapeutische Dosen notwendig sind.

 

Können THC und CBD mit anderen Arzneimitteln interagieren?

THC und CBD werden, wie ca. 70% aller Arzneimittel, über die Leber verstoffwechselt und ausscheidungsfähig gemacht. Der Prozess der Verstoffwechslung der Cannabinoide spielt bei der oralen Einnahme cannabisbasierter Arzneimittel, z.B. in Form von Vollspektrum-Extrakten oder als ölige Dronabinol/Cannabidiol-Lösung, in Bezug auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln eine größere Rolle als bei inhalativer Anwendung von Cannabinoiden.

So können bestimmte Arzneimittel die pharmakologischen Wirkungen von THC und CBD entweder verstärken oder abschwächen. Aus diesem Grund ist es wichtig, vor Therapiebeginn abzuklären, ob und welche Arzneimittel eingenommen werden.

 

Wann darf eine Therapie mit Cannabinoiden nicht erfolgen?

Von einem Einsatz THC-haltigen Arzneimitteln während der Schwangerschaft und Stillzeit ist dringend abzuraten. Außerdem wird eine Anwendung bei Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie und anderen psychischen Erkrankungen nicht empfohlen. Ebenso kann THC dosisabhängig zu einer Erhöhung bzw. Erniedrigung der Herzfrequenz führen. Darauf müssen Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen hingewiesen werden.

CBD ist – anders als THC – bei Schwangerschaft und Stillzeit nicht kontraindiziert, allerdings sollte vor Therapiebeginn der Therapie-Nutzen gegenüber dem Risiko abgewogen werden. Da CBD die Leberwerte vorübergehend erhöhen kann (s. Nebenwirkungen), sollten Patienten mit Vorerkrankungen engmaschig kontrolliert werden – insbesondere in der Phase der Dosistitration zur Ermittlung der wirksamen Dosis.

 

Für welche Indikationen können Cannabinoide bzw. Cannabisbasierte Arzneimittel eingesetzt werden?

Zur Behandlung unterschiedlicher Indikationen kommen neben Cannabisblüten und Extrakten auch Rezepturen mit den Reinsubstanzen THC (Dronabinol) und CBD zum Einsatz.

Cannabinoid-haltige Arzneimittel mit einem höheren THC-Anteil oder reine THC-Zubereitungen (ölige/ethanolische Dronabinol-Lösungen, Dronabinol-Kapseln) eignen sich insbesondere zur Behandlung von unterschiedlichen Schmerzarten, bei Bewegungsstörungen (Tourette, Tremor) und Spastiken. Des Weiteren zeigen THC-dominante Arzneiformen gute Wirkungen bei Übelkeit und Erbrechen, sowie zur Gewichtsstabilisierung.

Neuropathische Schmerzen, aber auch Spastiken werden häufig mit Cannabisbasierten Arzneimittel behandelt, die ein ausgewogenes Profil an THC und CBD aufweisen. Für die Indikationen Epilepsie, Angsterkrankungen, Psychosen und Depressionen gibt es gute Wirksamkeitsnachweise für den Einsatz von Arzneimitteln mit einem hohen Cannabidiol-Gehalt. Außerdem wirkt CBD antientzündlich und kann in Form von dermatologischen Rezepturen topisch angewendet werden.

 

Welche Dosierungen werden empfohlen?

Generell sollte die Therapie mit Cannabinoid-haltigen Arzneimitteln bei der möglichst geringsten Dosierung begonnen werden, um unerwünschten Effekten und Nebenwirkungen vorzubeugen. Die Dosistitration d.h. die sukzessive Dosiserhöhung bis zur Ermittlung der gewünschten Zieldosierung, erfolgt Patienten-individuell. Diese kann einige Tage bis wenige Wochen andauern. Als Zieldosis sollte die Dosis herangezogen werden, die zu einer Verbesserung der Symptomatik und krankheitsbedingter Beschwerden führt!

Die Startdosierungen hängen vom jeweiligen Cannabinoid-Gehalt des Cannabisbasierten Arzneimittels ab:

Bei THC-dominanten Blütensorten sollte eher mit einer geringeren Dosierung gestartet werden, als bei Blütensorten mit einem überwiegenden CBD-Gehalt. Ähnlich verhält es sich bei Cannabis-Vollspektrum-Extrakten und Monopräparaten, wie z.B. der öligen Dronabinol-Lösung. Hier ist die Konzentration der Cannabinoide, insbesondere die von THC, ausschlaggebend, bei welcher Dosierung begonnen wird. Sofern CBD therapeutisch eingesetzt wird, können – aufgrund dessen guten Verträglichkeit – höhere Startdosierungen (z.B. 2,5mg pro Kilogramm Körpergewicht) gewählt werden.

 

Aus unserer Erfahrung werden häufig folgende Anfangsdosen gewählt:

 

Arzneimittel Anfangsdosis/Tag
Cannabisblüten  25 bis 50mg
Dronabinol 1,7 bis 2,5mg
Cannabidiol wenige mg bis mehrere hundert mg
Ölige Cannabisextrakte 0,5 – 2,5mg (THC und CBD)

 

Wie werden Cannabisblüten angewendet?

Die Therapie mit Cannabisblüten sollte primär mit Hilfe von Vaporisatoren erfolgen. Dabei werden die Cannabisblüten bzw. einzelne Dosiereinheiten dieser auf ca. 200°C erhitzt werden. Diese thermische Einwirkung ist für die Bildung der pharmazeutisch genutzten Cannabinoide Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol wichtig, da THC und CBD in den unbehandelten Cannabisblüten in ihrer Vorstufe als Säure (THCA und CBDA) vorliegen. THCA und CBDA haben eine andere pharmakologische Wirkung als THC und CBD! Außerdem entsteht durch Erhitzung der Cannabisblüten ein inhalierbares Aerosol der Inhaltsstoffe!

 

FAQ

2. Teil: Rechtliche Fragen

 

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